"Lesben brauchen keinen Schutz" ist ein hartnäckiger Irrtum. Zwar ist eine Schwangerschaft zwischen zwei Frauen ohne Samenspende nicht möglich, doch sexuell übertragbare Infektionen (STI) können auch hier weitergegeben werden. Dieser Artikel erklärt allgemein, worauf du achten kannst. Er ersetzt keine ärztliche Beratung.
Wie Infektionen übertragen werden können
Erreger können sich über Schleimhäute, Körperflüssigkeiten und teilweise auch über Hautkontakt verbreiten. Im Zusammenhang mit Sex zwischen Frauen sind vor allem diese Wege relevant:
- Kontakt von Schleimhaut zu Schleimhaut
- Oralsex an Scheide oder After
- Gemeinsam genutzte Sextoys
- Fingern, besonders bei kleinen Verletzungen oder Verbindung von Anal- und Vaginalbereich
- Blutkontakt, etwa bei Verletzungen oder Menstruationsblut
Welche Infektionen übertragen werden können, ist unterschiedlich, zum Beispiel Chlamydien, HPV, Herpes, Syphilis oder bakterielle Scheidenerkrankungen. Die Wahrscheinlichkeit hängt von der Praktik, der Person und der Situation ab.
Mythen und Fakten
- "Lesben können sich nicht anstecken." Falsch. Das Risiko ist je nach Praktik anders als bei Sex mit Penis, aber vorhanden.
- "Wer nie mit Männern Sex hatte, braucht keine Vorsorge." Falsch. Zur gynäkologischen Vorsorge zählt auch die Früherkennung von Veränderungen am Gebärmutterhals, unabhängig davon, mit wem du Sex hast.
- "Safer Sex nimmt die Lust." Nicht zwingend. Mit etwas Übung und Gleitgel wird Schutz zur Selbstverständlichkeit.
Dental Dams, Handschuhe und Co.
Für Sex unter Frauen gibt es einfache Barrieren:
- Dental Dam (Lecktuch): Ein dünnes Tuch, das beim Oralsex zwischen Mund und Scheide oder After liegt. Es gibt sie im Handel; du kannst auch ein Kondom der Länge nach aufschneiden. Mehr zu Barrieren im Artikel Präservative.
- Einmalhandschuhe oder Fingerlinge: Sie schützen beim Fingern und lassen sich nach Gebrauch entsorgen. Wähle bei Latexallergie andere Materialien.
- Kondome über Sextoys: Wer ein Spielzeug teilt, zieht ein neues Kondom über oder wechselt es, wenn zwischen Anal- und Vaginalbereich gewechselt wird. Hinweise zu Reinigung und Gebrauch stehen unter Sextoys sicher anwenden und Sextoys reinigen und aufbewahren.
- Hände waschen und Nägel kurz halten: Das verringert kleine Verletzungen.
Gleitgel erleichtert den Einsatz, aber auf das Material achten: Mehr dazu unter Gleitgel richtig wählen.
Testen und Vorsorge
Viele Infektionen verlaufen ohne Symptome. Regelmäßige Tests sind deshalb sinnvoll, besonders bei wechselnden Partnerinnen oder Partnern, nach ungeschütztem Kontakt oder zu Beginn einer neuen Beziehung. Fachlich beraten Gynäkologie, Hausarztpraxen, Gesundheitsämter und Aidshilfen, oft anonym und kostenlos oder günstig. Über regelmäßige Krebsvorsorge am Gebärmutterhals informiert deine gynäkologische Praxis; sie gilt auch für Frauen, die nur mit Frauen Sex haben.
Zeichen wie Juckreiz, ungewöhnlicher Ausfluss, Schmerzen oder Bläschen solltest du ärztlich abklären lassen.
Reden vor dem Sex
Sprich mit deiner Partnerin offen über Tests, bisherige Kontakte und Schutz. Das ist kein Misstrauen, sondern Fürsorge für euch beide. Anregungen zum Einstieg findest du im Artikel Über Sex reden.
Unterstützung finden
Viele Städte haben queere Beratungsstellen und Gesundheitsprojekte, die sich mit der Gesundheit lesbischer, bisexueller und queerer Frauen auskennen. Einen Überblick über Orte und Angebote gibt der Artikel Lesbische Community.
Fazit
Schutz beim Sex ist keine Frage der sexuellen Orientierung. Mit Dental Dams, Handschuhen, sauberen Toys, Gesprächen und regelmäßiger Vorsorge sorgst du für dich und deine Partnerin.



